Sophia-Therese Schmidt-Kühl führt Kunstgalerie in dritter Generation

Über Nacht Galeristin und damit Unternehmerin wurde die in einer Künstlerfamilie aufgewachsene
Sophia-Therese Schmidt-Kühl nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters vor 15 Jahren.


Galeristin Sophia-Therese Schmidt-Kühl

Ständig wechselnde Ausstellungen gab es bei mir allerdings schon im Kinderzimmer, mit allem, was
dazu gehört
, schmunzelt die Dresdnerin.

Heinrich Kühl, ihr Großvater, hatte 1924 die private Kunstausstellung Kühl gegründet, sie
souverän und mutig durch bewegte Zeiten geführt und 1965 an seinen Sohn Johannes Kühl,
übergeben.


Die „Kunstausstellung Kühl“ hat seit 1999 ihren festen Platz in dieser Villa in Dresden, Nordstr. 5

Mein Vater gab für die Galerie seinen Beruf als akademischer Maler  auf, weil er nur eine
Sache, die aber richtig, machen wollte
, erzählt Sophia-Therese Schmidt-Kühl,
für diesen Dienst an den Künstlerkollegen erhielt er große Anerkennung.

Sie selbst verbrachte einen großen Teil ihrer Kindheit in der Galerie und in Ateliers.
Ich habe regelmäßig beim Ausstellungswechsel geholfen und begleitete meinen Vater, wenn er bei
Künstlern Bilder auswählte.
Mit neun Jahren erklärte sie ihm, Kunsthändlerin werden zu wollen.
Parallel zu späteren Schul- und Lehrjahren nahm sie fünf Jahre am Jugendkurs und Abendstudium für
Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden teil.

Das war eine sehr fundierte Ausbildung auf hohem Niveau. Doch an Kunsthandel war noch lange
nicht zu denken.

Mein Vater vertrat die Ansicht, ein handwerklicher Beruf sei eine gute Grundlage fürs Leben,
berichtet Frau Schmidt-Kühl.


Skulpturengarten

Sie absolvierte eine Lehre als Maler, Lackierer und Vergolder – eine typische Männerdomäne. Die
Arbeit in der Denkmalpflege, mit Baustellen wie der Semperoper, dem Kügelgenhaus oder Schloss
Eckberg beeinflusste ihre Entscheidung, ein Studium an der Fachhochschule in Potsdam aufzunehmen.
Restaurierung von Architekturfassungen hieß die Fachrichtung.

Während des Studiums heiratete Sophia-Therese Schmidt-Kühl und bekam Sohn Johann. Als sich nach
Abschluss des Studiums Junior Nummer zwei angekündigt hatte, nahm sie nur noch
Restaurierungsarbeiten an, die sie von zu Hause aus erledigen konnte. Nach der Familienpause stand
fest:
Ich mache mich als Restauratorin selbständig!

Der erste Auftrag ließ nicht lange auf sich warten. Selbständige Restauratorin wurde
Sophia-Therese Schmidt-Kühl jedoch nicht. Ihr Vater starb überraschend und sie erfuhr von seinem
letzten Willen…

So übernahm sie im September 1994 die Galerie. Für viele Kunden ging mit dem Tod von Johannes
Kühl eine Ära zu Ende. Das machte den Start der jungen Unternehmerin nicht leichter.


Sklulptur „Metamorphose“

Die ersten Jahre waren hart, aber ich habe die Flucht nach vorn angetreten und musste mir
vieles  neu erarbeiten
, sagt sie rückblickend. Ihrem Mann, dem Architekten Eckehardt
Schmidt, habe sie dabei viel zu verdanken.

Zahlreiche Havarien in der bis dahin in einem sanierungsbedürftigen Gebäude in der Zittauer
Strasse 12 beheimateten Kunstausstellung führten immer wieder zu Rückschlägen. Auch als sich die
Familie 1998 um ein Töchterchen vergrößerte, kam Aufgeben für Sophia-Therese Schmidt-Kühl nicht in
Frage. Ausstellungen fanden teilweise auswärts statt. Ein halbes Jahr lang sanierte sie mit ihrem
Mann das Haus in der Dresdner Nordstraße 5 für Galerie und Wohnung:
Immer zwischen Kindern, Kunst und Baustelle. Im März 1999 konnte dort Neueröffnung gefeiert
werden.


Ausstellungsräume im Souterrain der Villa

Auch heute sind ihre Arbeitstage lang. Sie beginnen gegen 8.30 Uhr und enden selten vor 22 Uhr,
unterbrochen von kurzen Familienzeiten.
Mittags koche ich selbst, das ist für mich gelebte Kultur, erzählt die 48jährige.

Der Samstagnachmittag und die Sonntage gehören nach Möglichkeit der Familie. Das ist ihr
wichtig.


Freizeit am Wochenende mit der Familie

Montags, wenn die Galerie geschlossen ist, erledigt sie Dienstfahrten und besucht Ateliers.

Das Leitbild unserer 85jährigen Tradition besteht im Entdecken, Fördern und Begleiten eines
Künstlerlebens. Dies ist eine nachhaltige Arbeitsweise, die  auf dem Kunstmarkt nicht allzu
oft vorkommt. Aufgrund der Galeristen- Generationen sind Kontakte zu Künstlern bis zu ihren
Nachlassverwaltern gewachsen
, erklärt die Einzelhändlerin.

Sie arbeitet mit Künstlern aller Generationen zusammen,
sehr gern auch mit  frischen  Diplomanden von der Hochschule, mit  denen ich in
die Zukunft blicken möchte
.

Vorwiegend gegenständliche Bildende Kunst, aber auch abstrakte Werke des 20. und 21.
Jahrhunderts mit dem Schwerpunkt Klassische Dresdner Malschule und deren Weiterführung bietet sie
an. Den Blick für kommerziell Erfolgreiches hat sie sich erarbeitet:
Ich bin mir sicher, was gut ist, kann aber nicht ausschließen, dass ich mich auch mal irre.
Jeder Galerist entscheidet anders.

Alle acht Wochen wechseln die Ausstellungen. Dazwischen liegt viel Arbeit. Verkauf, Kunden- und
Künstlerbetreuung, Konzeption und Planung, Einladungen zu Eröffnungen, Zusammenarbeit mit
Kunstwissenschaftlern, Museen, Restauratoren und Rahmenwerkstätten, Öffentlichkeitsarbeit,
Schriftverkehr, Archivierung, Buchhaltung, Handwerkliches.

Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Fachkenntnis, rationelles und vorausschauendes Arbeiten, guter
Umgang mit Menschen, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit schätzt sie und fordert sie auch von sich
selbst.
Wer sich nicht disziplinieren kann, darf sich nicht selbständig machen, meint die Inhaberin
der ältesten ostdeutschen privaten Kunstgalerie.

So ist die Kunstausstellung Kühl eine etablierte Adresse im Dresdner Norden geblieben und seit
zwei Jahren beschäftigt Sophia-Therese Schmidt-Kühl eine Mitarbeiterin in Vollzeit.

Der Risikofaktor ist in unserer Branche groß, weil der Erwerb von Kunst eine äußerst sensible
Angelegenheit ist. Persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Stimmungen wirken auf diesem
Feld noch stärker als anderswo
, erklärt sie die Besonderheiten des Kunstgeschäftes.


Vernissage

Das Schönste und zugleich Wichtigste in der Vermittlerrolle ist für Sophia-Therese Schmidt-Kühl,
wenn sie ihren Künstlern berichten kann, dass sie deren Werke verkaufen und in gute Hände geben
konnte. Ohne diese Anerkennung sei das Künstlerleben sehr schwer. Andererseits bauen
Kunstinteressierte mit vertrauensvoller Beratung eine eigene Sammlung auf und empfehlen die Galerie
weiter.

Sophia-Therese Schmidt-Kühl sieht sich sehr von ihrem Vater geprägt. Nur eines würde sie ganz
anders als er machen:
Spätestens wenn man 60 ist, sollte man festlegen, was mit seinem Unternehmen werden
soll.

Autorin: Dagmar Möbius
Fotos: © privat

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