Für Editha Hahn-Fink gehört Sterben zum Leben

Morgens auf dem Friedhof, mittags im Büro, Hausbesuche, Management. An sieben Tagen der Woche, rund um die Uhr. „Tränen sehe ich jeden Tag“, sagt Editha Hahn-Fink. Dennoch ist die Bestattungsunternehmerin ein fröhlicher Mensch geblieben und überzeugt, einen der interessantesten Berufe der Welt auszuüben.


Editha Hahn-Fink

An ihre früheste Begegnung mit dem Tod kann sich Editha Hahn-Fink nicht erinnern. Er war allgegenwärtig und damit normal. „Ich bin im Haus des Bestattungsinstituts aufgewachsen, aber Sterben kann man sich als Kind nicht so richtig vorstellen“, blickt die heute 61-Jährige zurück.

Dass sie das Familienunternehmen einmal fortführen würde, war ihr nicht in die Wiege gelegt. Die gebürtige Tempelhoferin studierte Romanistik und Geografie und legte ihr Staatsexamen an der Freien Universität Berlin ab. Nach einem Jahr als Lehrerin in Frankreich stellte sie fest, dass das nicht ihr Traumberuf war. Sie stieg in die 1851 von Tischlermeister Friedrich Hahn, ihrem UrUrUr-Großvater, gegründete Firma ein und legte ihre Bestatterprüfung ab. Seit 1997 ist sie Geschäftsführerin und damit in einer männerdominierten Branche etwas Seltenes: „Ich bin wohl die einzige Frau in Deutschland, die ein privates Bestattungsinstitut dieser Größe führt“, sagt sie nicht ohne Stolz. Neun Filialen und 35 Mitarbeiter wollen koordiniert werden. Ein gutes Betriebsklima ist Editha Hahn-Fink wichtig. Sie beschäftigt sich täglich mit den Sorgen ihrer Mitarbeiter. Gemeinsame Unternehmungen, Kurztrips, Theaterbesuche und ein Sommerfest gehören zur Firmenkultur.


Editha Hahn-Fink mit Brigitte Grothum

Schon immer setzte das Unternehmen mit über 160 Jahren Erfahrung auf Innovationen: modernste Kühlräume schon in den 1970er Jahren, der erste Abschiedsraum für Aufbahrungen, der Ausbau einer der ersten deutschen privaten Trauerhallen. Bestattungen aller Art und für alle Religionen können organisiert werden. Die größte Sarg-Ausstellung Deutschlands und die Ausrichtung einer der größten Feiern zum Totensonntag sind weitere Superlative.

Jeder Abschied von Verstorbenen soll individuell sein. Ob mehrere Hundert Trauergäste kommen oder Einzelpersonen. „Eine Bestattung ist kein Event“, betont die Unternehmerin, „sondern eine große Feierlichkeit, die würdig begangen werden muss.“ Trotzdem hat es Editha Hahn-Fink schon geschafft, für eine Trauerzeremonie kurzzeitig den Berliner Kurfürstendamm sperren zu lassen. So etwas will sie nicht gern publik machen, doch es veranschaulicht, was ihr im Beruf wichtig ist: Organisationstalent, Kreativität, täglich neue Herausforderungen, Teamarbeit, Weitsicht, ein nahes Verhältnis zu Kunden. „Ständig erreichbar zu sein, macht manchmal müde“, gibt sie zu. Der Stressfaktor ist hoch. Kraft schöpft sie aus „gemütlichem Alleinsein am Schreibtisch und Spazierengehen“. Fotografieren ist ihre große Leidenschaft.


Als engagiertes Mitglied im Verband deutscher Unternehmerinne (VdU) hier mit Heide Meyer (re.) und Stephanie Bschorr (lks.)

Auch ihre Familie und ein großer Bekanntenkreis sorgen für einen Ausgleich. Zudem engagiert sich Editha Hahn-Fink in mehreren Unternehmer-Netzwerken. Sie bezeichnet sich als aktives und kritisches Mitglied der Bestatter-Innung und hält Vorträge in Schulen und Ausbildungseinrichtungen. Die Kunst- und Architektur-Liebhaberin unterstützt die Berlinische Galerie, Ausstellungen der Liebermann-ViIla, die Berliner Jedermann-Inszenierung und Kirchenmusik in den Kiezen. Den ehemaligen Flughafen Tempelhof natürlich auch.


Editha Hahn-Fink privat – kulturell vielfältig interessiert

Während die meisten Menschen das Thema Tod und Sterben gern von sich schieben, ist Editha Hahn-Fink überraschend offen. „Der Tod ist überall, aber er berührt einen besonders, wenn man jemanden geliebt hat“, sagt sie. Sie weiß nicht nur aus Krimis, wie schnell das Leben zu Ende gehen kann. „Dann sind wir wie alle anderen.“ Deshalb hält sie sich für vorsichtiger als andere Menschen. Und ist strikt sich selbst gegenüber. „Ich räume immer auf, schmeiße viel weg und halte meine Sachen in Ordnung.“ Sie will ihre Hinterbliebenen später nicht mit ihrem Nachlass belasten.

Sohn Robert, von Beruf Jurist und Bestattermeister, steht seit einem halben Jahr als zweiter Geschäftsführer an ihrer Seite. Auch wenn sie sich noch lange nicht vorstellen kann, ihre Arbeit aufzugeben.


Stefan Schwarz (re.), Präsident der Handwerkskammer, überreicht die Ehren­urkunde an Editha Hahn-Fink und Robert Hahn (lks.)

Porträt des Monats Januar 2013

Text: Dagmar Möbius
Bildquellen: Editha Hank-Fink

Editha Hahn-Fink
HAHN Bestattungen
Geschäftsführerin
12099 Berlin
Tempelhofer Damm 157
Telefon: (030) 75 11 0 11
www.hahn-bestattungen.de

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