Portrait der Gründerin und Geschäftsführerin Tatjana Sassenberg

„Unser Unternehmen ist kein reines Frauenunternehmen, der Beruf DolmetscherIn und ÜbersetzerIn
wird sowohl von Männern als auch von Frauen ausgeübt“,
erklärt Tatjana Sassenberg, die im
Februar 1990 in Berlin ihre eigene Dolmetscher- und Übersetzeragentur gegründet hat.

Geboren und aufgewachsen in der Ukraine, wollte sie eigentlich Journalistin werden. Da Tatjana
aber schon immer einen Hang zur Technik hatte, studierte sie Maschinenbau mit dem Ziel, so einen
Einstieg in den technischen Journalismus zu finden. Bereits im 2. Studienjahr lernte sie ihren
späteren deutschen Ehemann kennen und folgte ihm nach Abschluss des Studiums nach Berlin, wo sie
als Ingenieurin einige Zeit in einem Forschungs­zentrum arbeitete.

Mit dem Entschluss sich beruflich zu verändern, bewarb sie sich bei der staatlichen Dolmetscher-
und Übersetzeragentur INTERTEXT.

„Eigentlich war es unmöglich, dort als Freiberufler aufgenommen zu werden. Besonders, wenn man
kein entsprechendes Studium vorweisen konnte.

Aber – wie so oft in meinem Leben – kam mir der Zufall zu Hilfe“, erzählt sie. Der
Agentur lag ein handschriftlicher Brief in altertümlichem Ukrainisch vor, den niemand verstehen
konnte.
„Ein ukrainischer Bauer wollte die Tochter des ehemaligen DDR Staatsratsvorsitzenden Walter
Ulbricht zu sich einladen.

Das war des Rätsels Lösung. Und durch die Übersetzung dieses Briefes kam ich in den
Verteiler von INTERTEXT und bekam weitere Aufträge.“

„Zum Dolmetschen kam ich dann auf ähnlich zufällige Weise. Ich musste für einen erkrankten
Kollegen einspringen und bei einem Bildungsinstitut dolmetschen. Es war ein gewagter Sprung ins
kalte Wasser – ganz schön anstrengend, da mir damals noch die Erfahrung fehlte, aber ich habe es
geschafft,“
berichtet sie.

Und es hat sich gelohnt. Durch ihre Ausbildung im technischen Bereich war Tatjana Sassenberg
fähig, auch die „Ingenieursprache“ zu verstehen und entsprechend zu übersetzen.
„So habe ich als Dolmetscherin und Übersetzerin fast ausschließlich für Ingenieure, Techniker
und wissenschaftliche Journalisten gearbeitet.“


Im Büro in der Kronenstraße in Berlin-Mitte

Mit der Wende kam auch für Tatjana Sassenberg der große berufliche Umbruch. „Von den 400,00 DM Begrüßungsgeld, die unsere Familie – mein Mann, meine beiden Kinder und ich – beim ersten Besuch in West-Berlin 1989 bekamen, kaufte ich sofort einen Anrufbeantworter und gründete in meinem Wohnzimmer eine Übersetzeragentur. Im Februar 1990 wurde meine Firma angemeldet. Es war aber nicht so leicht, wie es sich vielleicht anhört. Ich hatte zwei kleine Kinder und ohne die Unterstützung meines Mannes hätte ich es kaum geschafft.“
Übersetzerin zu sein ist ein sehr einsamer Beruf. Umso wichtiger war und ist es Tatjana Sassenberg im Team mit anderen zu arbeiten. Kontakte aus gewachsenen beruflichen Netzwerken waren dabei unerlässlich.

1991 wurde GlobalSprachteam gegründet. Die Firma ist spezialisiert auf technische
Übersetzungen, insbesondere aus dem Bereich der Patente, und auf Konferenzdolmetschen. Im
Vermittlungspool der Übersetzer- und Dolmetscheragentur befinden sich mehrere 100 Adressen von
internationalen FachübersetzerInnen und -dolmetscherInnen, von denen einige auf der anderen Seite
des Erdballs in Australien oder Amerika leben. Eine engeZusammenarbeit besteht mit einzelnen
Partneragenturen in Wien, in Dänemark und in Italien. Etwa 25 ÜbersetzerInnen bzw. DolmetscherInnen
leben vorwiegend vom GlobalSprachTeam und seinen Kunden. Fünf MitarbeiterInnen sind im Berliner
Büro tätig.

Deutschland und Schweiz sind die Vorreiter in Sachen Patentanmeldungen. Patentanwälte sind die
potentiellen Kunden der Firma und werden überwiegend durch ganz gezielte Akquisition gefunden.

„Wir recherchieren sehr gewissenhaft. Das ist mühselig, aber letztlich erfolgreich. Wenn sich
nur 0,5 % der Akquirierten als Kunden gewinnen, hat es sich für uns gelohnt. So ist das nun
mal: Die Akquise ist unerlässlich! Aufgrund von personellen Engpässen hatten wir einmal über zwei
Jahre hinweg die Neukundenakquise etwas vernachlässigt, und prompt zeigte sich – zeitversetzt – das
Problem durch entsprechenden Auftrags- und Umsatzrückgang.“

Aber auch bei Fehl- und Rückschlägen behält Tatjana Sassenberg die Nerven.
„Wichtig ist es, nicht aufzugeben. Ein misslungener Versuch sollte nicht gleich entmutigen,
aber wenn es beim zweiten Mal wieder schief geht, muss man sich ernsthaft fragen, was falsch
gelaufen ist und diese Fehler künftig vermeiden – so arbeitet man in der Forschung und das gilt meiner Ansicht nach auch für’s Leben insgesamt.“


Messe Berlin im September 2015:
10 Dolmetscher im Auftrag von GlobalSprachTeam im Einsatz.

Da der Beruf  ÜbersetzerIn und DolmetscherIn ein sehr einsamer Beruf ist

– die Auftragsvergabe und Abwicklung erfolgt heutzutage ausschließlich via Internet, und bei
der Arbeit selbst sind die Mitarbeiter auf sich gestellt –, arrangiert das GlobalSprachTeam
mindestens einmal in jedem Jahr eine große Feier, bei der sich alle KollegInnen begegnen können,
die sich ansonsten nie begegnen würden.
„So versuchen wir die Mitarbeiterinnen miteinander bekannt zu machen und einen persönlichen
Austausch untereinander anzuregen.“
Bei diesen Feiern hat sich vor 5 Jahren eine Gruppe
singbegeisterter Übersetzer und Dolmetscher zusammengefunden, die sich seitdem einmal im Monat
trifft. Wichtige Absprache der Runde ist: man spricht nicht über Arbeit.

Pünktlich zum 25. Jubiläum der Firma bekommt die Internet-Seite ein neues Gewand. Damit
verbunden sind die neuen Farben und ein neues Logo.

„Die Zeit bleibt nicht stehen. Und die Frage, die ich jetzt angehe, ist die
Unternehmensnachfolge. Das, was die Arbeit einer Agentur auszeichnet, kann man nur innerhalb des
Unternehmens erlernen. Wir suchen ständig nach neuen Übersetzern und Dolmetschern und bieten
ständig Praktika-Plätze an. Auch die neuen Werbemethoden in Social Media sollen verstärkt werden.“


Internet-Seite von GlobalSprachTeam

In diesem Jahr sind zwei Außenstellen der Firma dazugekommen:

in Spresa/Italien und in Zürich/Schweiz. Noch ist es zu früh, über Erfolg zu sprechen, aber
die ersten positiven Impulse sind eindeutig zu vernehmen.

Und Privat?

Völkerverständigung, Weltfriede, das ist es auch, was Tatjana Sassenberg sich für die Welt
wünscht.
„Das ist das Wichtigste – und dass es meinen Kindern gut geht, mein Enkel diese Welt friedlich
entdeckt, ich, mein Lebenspartner und meine Freunde gesund bleiben… Gar nicht so wenig“,

fügt die Unternehmerin hinzu.

Text: I. Orthwein
Bilder: GlobalSprachTeam

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